PdG – in 7:30 Stunden von Zermatt nach Verbier

Die Ausgabe 2018 der legendären Patrouille des Glaciers wird nicht nur des schönen Wetters und den Top-Schneeverhältnissen wegen in bester Erinnerung bleiben, sondern genauso dank den neuen Rekorden und den Höchstleistungen der Patrouilleure. Zwei Mal, nämlich sowohl bei den Herren wie auch bei den Damen, wurden die bestehenden Bestzeiten unterboten. Die Schnellsten liefen die über 50km Strecke, die mehr als 100 Leistungskilometern entspricht, in 5:35 Stunden, die schnellsten Damen liefen nach 7:15 Stunden ins Ziel. Nur knapp eine Viertelstunde nach dem Frauen-Siegerteam erreichte die Fiescherin Victoria Kreuzer mit ihren Teamkolleginnen Katia Tomatis und Séverine Pont Combe Verbier. Eine beachtliche Leistung; war dies doch für die junge Fiescherin die erste Teilnahme an der grossen Patrouille. Auch ihr Freund Martin Anthamatten und seine Truppe legte die Strecke in einer absoluten Spitzenzeit, nämlich in 5:45 Stunden, zurück und somit belegten diese beiden Teams den sensationellen zweiten Schlussrang.

Wie Victoria Kreuzer die PdG erlebt hat und welches für sie die schönsten Momente und die grössten Herausforderungen waren, erzählt sie im Interview.

Victoria, herzliche Gratulation Dir und Deinem Team für diese ausserordentliche Leistung und den 2. Rang an der PdG. Was geht Dir durch den Kopf?

Freude! Freude über das Geleistete! Das ist ein super Rennen, einfach unbeschreiblich und ein einzigartiges Erlebnis. Das muss man einfach mal erlebt haben.

Du und Dein Team habt mit 7:31 Stunden eine sensationelle Zeit hingelegt. Hattet ihr euch vorher ein zeitliches Ziel festgelegt?

Konkret nein, da ich das erste Mal am Start der grossen PdG war und es somit nicht einfach ist, eine persönliche Zeit festzulegen. Andererseits hatte ich mich mit den Zeiten anderer Läuferinnen auseinandergesetzt, was uns doch einige Anhaltspunkte geben konnte. Schliesslich wollten wir unter 8 Stunden laufen und haben somit unsere Erwartungen übertroffen.

Die Kälte stellte für Dich im Vorfeld einer der grössten Herausforderungen dar. Schliesslich war es doch noch eine relativ milde Nacht und die Temperaturen sanken nicht so extrem. Was war denn schlussendlich die grösste Schwierigkeit?

Mitten in der Nacht zu starten. Wir assen um 19 Uhr zu Abend und legten uns im Anschluss schlafen. Doch von Tiefschlaf und Nachtruhe konnte gar keine Rede sein. Ich hatte das Gefühl, ich läge die ganze Zeit wach und fand kaum Schlaf. Schon die ganze Woche davor hatte ich Mühe, aufgrund der Anspannung durchzuschlafen. Um 23.30 Uhr hiess es dann aufstehen und um eins sind wir los für den Start um 2.00 Uhr. Es kam mir vor, als ob ich noch schlafen würde!

Seid Ihr während des Rennens an Eure Grenzen gestossen?

Es gab sicherlich Momente, die schwierig waren. Doch dank unserer intensiven mentalen Vorbereitung waren wir für solche Momente gewappnet. Da heisst es einfach: Durchbeissen und weiterlaufen. Während des ganzen Rennens lief ich im Grundlagen-Herzfrequenzbereich, was zeigt, dass ich eigentlich nie am Limit war.

Ihr hattet bloss eine Viertelstunde Rückstand auf das Gewinner-Team und der Sieg hätte in Reichweite gelegen.

Ja effektiv. Da ich ja auch nie am Limit lief, hätte es für mich noch Luft nach oben gegeben und ich hätte schneller laufen können. Die PdG ist jedoch ein Team-Wettbewerb und die Gruppe ist so stark wie das schwächste Glied. Also denkt man als Team und nicht als Einzelsportlerin. Ich wäre vielleicht schneller gelaufen, auf der anderen Seite fehlte mir die Erfahrung, die Séverine mitbrachte. So profitiert jede von der anderen.

Ist die Freude über den zweiten Rang also grösser als der Frust, den Sieg verpasst zu haben?

Bestimmt ist der Gedanke, man hätte gewinnen können, im Kopf. Aber unterm Strich freue ich mich enorm über den zweiten Platz; besonders auch, weil ich ja das erste Mal an der grossen Patrouille war. Jedoch gibt mir diese erste Erfahrung auch Aufschluss über meine Fähigkeiten und was nächstes Mal drin liegt.

Der Rekord wurde gleich bei den Männern und bei den Frauen gebrochen. Waren die Verhältnisse und die Ausgangslage heuer besonders gut und dementsprechend prädestiniert für diese Top-Zeiten?

Die Temperatur spielte bestimmt eine grosse Rolle; es war weder zu heiss noch zu kalt und zudem war der Schnee in den Gleitpassagen ausgesprochen schnell. Auf der anderen Seite musste die Strecke angepasst werden und war länger als sonst. Ausschlaggebend war sicherlich auch das hohe Niveau der Elite-Läufer. In keiner anderen Ausgabe waren so viele Weltcup-Läufer am Start wie dieses Jahr.

Welchen Moment behältst Du ganz besonders in Erinnerung?

Der Zieleinlauf in Verbier ist extrem emotional und gehört zum Höhepunkt. In dem Moment kommt so viel zusammen; die Freude, die Müdigkeit, die Erleichterung… Das sind Emotionen pur. Ebenso war der Aufstieg zur Rosablanche äusserst eindrücklich. Dort stehen so viele Leute und spornen dich an. Das gibt enorme Kraft und Auftrieb.

Was steht als nächstes an in sportlicher Hinsicht?

Erst mal gar nichts! Im Moment ist Ruhe angesagt. Es geht ja nicht bloss um die Erholung von der PdG; ich habe einen intensiven Weltcupwinter hinter mir und gebe nun meinem Körper die nötige Zeit, sich wieder zu erholen. Im Sommer beginnt die Berglaufsaison, aber dafür habe ich aktuell noch keine konkreten Ziele.

 

Wir wünschen Dir und Martin, der ja ebenfalls mit einer absoluten Spitzenzeit Zweiter an der PdG wurde, eine erholsame Zeit und schöne Ferien!

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