Schluss mit dem Fachchinesisch auf der Arztrechnung

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Ist für Sie die Arztrechnung ebenfalls ein Buch mit sieben Siegeln? Mit diesem Gefühl sind Sie wohl nicht alleine, denn nur die wenigsten verstehen, was sich hinter den Abkürzungen, Ziffern und Lettern auf der Tarmed-Rechnung verbirgt. Eine sorgfältige Kontrolle der Rechnung lohnt sich jedoch allemal, denn jährlich könnten so Millionen gespart werden.

Laut einer Umfrage des Vergleichsdienstes comparis verstehen zwei Drittel der Patienten die Arztrechnung nicht. Zudem wird sie meist nicht einmal angeschaut, noch weniger kontrolliert. Zum einen, weil sich der Patient sagt, dass die Rechnung sowieso von der Krankenkasse beglichen wird und zum anderen, weil der Arzt die Rechnungskopie erst gar nicht dem Patienten zustellt, obwohl er Gesetzes wegen dazu verpflichtet ist.

Rund eine Milliarde Franken Einsparungen

Dass sich eine Kontrolle ausbezahlt macht, zeigt, dass bereits dank der Prüfung von rund 70 Millionen Rechnungen durch die Krankenkassen jährlich eine Milliarde Franken gespart werden können. Auf die rund 10 Milliarden Franken für ambulante Leistungen von Ärzten und Spitälern, welche einen Drittel der Gesamtkosten in der Grundversicherung ausmachen, eine schöne Stange Geld.

Doch von welchen Leistungen genau ist die Rede? Der Tarmed (vom Französischen tarif médical) umfasst 4500 Einzelleistungen mit einer bestimmten Tarifierung. Diese ist abhängig von der Dauer, der benötigten Infrastruktur und der Komplexität der Leistung. Unterteilt werden die Leistungen in ärztliche und technische Leistungen, wobei die Löhne der Praxisassistentinnen oder die Raumausstattung ebenfalls mit eingerechnet sind. Die Taxpunkte, die den Leistungen zugeordnet werden, rechnet man weiter mit dem Taxpunktwert in einen Franken-Betrag um. Der Taxpunktwert variiert von Kanton zu Kanton und liegt im Moment etwa zwischen 82 und 97 Rappen.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Bei Erhalt der Rechnungen versuchen die Versicherer bereits etwaige Fehler auszumachen. Viele Fehler können jedoch nur vom Patienten selbst entdeckt werden, zum Beispiel wenn der Arzt Leistungen verrechnet, die er gar nicht erbracht hat.

Wie können wir also zu hoch ausgestellte Rechnungen, welche auch dazu beitragen, dass die Gesundheitskosten jedes Jahr unvermindert ansteigen, ausfindig machen? Die Kontrolle beginnt bereits beim Arzt oder am Telefon. Schreiben Sie die Behandlungs- oder Gesprächsdauer auf und klären Sie ab, ob die Leistung von der Grundversicherung gedeckt ist. Notieren Sie ebenfalls, ob es sich um einen Notfall am Wochenende oder in der Nacht handelt, denn hier wird der Zuschlag verrechnet. Vergewissern Sie sich, dass Preis und Packungsgrösse der bezogenen Medikamente mit der Rechnung übereinstimmen. Ebenso ob aufgeführte Laboruntersuchungen stattgefunden haben. Falls Sie auf Unstimmigkeiten stossen, wenden Sie sich direkt an Ihren Arzt oder an das Spital, noch bevor die Rechnung von der Krankenkasse bezahlt wird. Oftmals können solche Missverständnisse oder Fehler bereits bei einem Gespräch aus dem Weg geräumt werden.

Zudem ist Besserung in Sicht, denn die vom Bundesrat geforderten Tarmed-Anpassungen treten am ersten Januar 2018 in Kraft. Und diese sollen angeblich mehr Transparenz versprechen. Bis dahin kann diese Legende mit den wichtigsten Informationen Abhilfe schaffen. 

 

 

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